Wikipedia für Pornodarsteller. Szene ist nicht Szene, sondern ein Hardcore-Video.
31.10.08 (Fritz-Tagebuch)
Haben Sie gewusst, verehrte Leser, dass man im Erotik-Geschäft oft eine andere Sprache als verständliches Deutsch spricht, aber - und das ist viel schlimmer - auch noch ewig bestehende Regeln einfach auf den Kopf stellt? Ja, das können sich nur Pornomacher erlauben, weil man sie ohnehin nirgends ernst nimmt. Allenfalls feiern die Filmemacher, Regisseure, Kameraleute, Tontechniker und ihre Fick-Artisten sich selbst auf ebenso von der Öffentlichkeit kaum beachtenden Award-Galas.
Gleich zwei Zuschriften von Bewerberinnen, die sich und ihre vermeintlich interessanten “Fähigkeiten” erst gar nicht vorstellen, sondern gleich fragen: “Wieviele Szenen sind denn bei euch für mich vorgesehen?” bringen mich auf die Idee, ein kleines Wikipedia für Dauer-Entsafterinnen und ihre Anhänger ins Leben zu rufen.
Unter einer Szene (in Zahlen = 1) verstehen die Damen und Herren aus der Bums- und Absaft-Branche nämlich den Teil eines Drehs, in dem - in dem meisten Fällen! - bis zum gespielten oder echten Höhepunkt Sex miteinander haben. Eher unbewusst haben sie damit gar nicht so unrecht, denn ein 85 Minuten-Hardcore-Video besteht nach dem Vorspann oft ja nur aus einem Bild vor ein und derselben Kulisse. Die meisten DarstellerInnen sind das auch so gewohnt. Zum Leidwesen derselben gibt es aber manchmal doch noch weitere “Szenen”, die sie weniger mögen, weil das ja nicht zu ihrem eigentlichen Schauspiel-Job, der sie “berühmt” machen könnte, gehört: Sie müssen an der Tür nämlich auch mal “Guten Tag, Herr Meyer, ich habe hier ein Paket für Sie” sagen, was ihnen oft grosse Mühe bereitet. Schließlich haben sie sich auch schon Tage vorher mental auf die “Szene” eingestellt, bei der ihnen ein dicker Dödel in den Mund gesteckt wird. Natürlich kommt ihnen nicht in den Sinn, dass es sich bei der Eingangsgeschichte an der Tür ebenso wie im Bad, in dem sie sich schnell mal die Unterwäsche zurecht zupfen, ebenso um jeweils eine Szene handelt. Ja, die Porno-Branche hat schon so ihre eigenen Gesetze, die sich aus einer Mischung von Halbwissen, Verlegenheit und Dilettantismus entwickelt haben. So manches Vorgehen in dieser speziellen Filmbranche, in der jeder der gerade geil ist sich Kameramann nennt, wurde auch aus dem Huren-Gewerbe übernommen: Für nen Anal-Fick gibts einen Aufschlag auf die Gage von 60 €. Das ist doch etwas, da lässt man bzw. Frau sich gerne mal - ob`s weh tut oder nicht - die Rosette für verbiegen…
Ein wundervolles Wochenende mit und ohne verfilmte Wichsgeschichten wünsche ich ihnen allen
Ihr Schmuddel-Reporter
Fritz
