Venus in Berlin lässt keine Puppen mehr tanzen.
Verehrte LeserInnen, werte Nestbeschmutzer-Fans,
begleitet von den ersten Lebkuchen- und Nikolaus-Angeboten von Aldi, Lidl, Penny&Co. fand vergangenen Oktober die 14. Venus in Berlin statt. Nach meiner Kündigung, die mir der Postbote am Silvestertag 2008 überbracht hatte, war nach dem Schockmoment mein dritter oder vierter Gedanke: “Hurra, ich muss nie mehr als Reporter auf die Venusmesse nach Berlin”. Keine zehn Pferde würden mich mehr auf diese in die Wechseljahre gekommene Sexmesse bringen, um dort krampfhaft über erotische Highlights berichten zu müssen.
Bekanntlich soll man nie “nie” sagen, denn in diesem Jahr musste ich mich dann doch – wenn auch nur wegen einem wichtigen Gesprächstermin – an den sabbernden, allesamt mit Foto- und Videogeräten bewaffneten Männern (?) in den Messehallen vorbei quälen.
Und prompt stellte sich bei mir auch wieder dieses Gefühl ein, das Gänsehaut entstehen lässt und für einen Schutzschirm wie bei einem Alien sorgt.
Eine Stimme in mir sagt: “Nein Fritz, da gehörst Du nicht hin. Du bist zwar auch ein geiler Bock, aber Erotik bedeutet für Dich etwas anderes”.
Offenbar hatte sich seit meinem letzten Pflichtbesuch hier nichts verändert. Während die einen scheinbar lässig ihre Fotoapparate vom Hals baumeln lassen, halten die anderen verkrampft ihre Digital-Spanner-Gerätschaft in feuchten Händen. Doch was gibt es für zu sehen, das später zur Onaniervorlage taugen könnte? Jedenfalls nicht mehr so viel wie vor fünf oder sechs Jahren. So wirkliche Stars aus der Hardcore-Szene deren Poster die Dauerpornogucker an die Wände ihrer Zweiraum-Wohnungen hängen könnten, gibt es nicht mehr. Wenn man mal von der ewig jungen und schönen Dolly Buster absieht, bei der man schon zwei mal hinsehen muss, um sie nicht mit einer der vielen Gummipuppen auf der Messe zu verwechseln, gibt es kaum etwas, das der Privatsammler für die desinteressierte Nachwelt festhalten könnte.
Die Venus in Berlin kriegt die Puppen nicht mehr zum tanzen. Es zeichnete sich schon vor etwa fünf Jahren ab, dass die einst so beliebte und sicherlich heute noch weltgrößte Sexmesse immer mehr zu einem riesigen Sexshop verkommen wird. Im Grunde findet man hier nichts, was man in einem örtlichen Shop oder zumindest in den Sexangeboten des Internets nicht sehen könnte. Die nett anzusehenden Puppen in denen der Herr seinen Dödel zu Hause rein stecken kann, sind auf der Messe ebenso leblos wie auf Bildern im Internet. Wozu also nach Berlin auf die Messe fahren?
Gut, die Insider aus der Pornobranche geben sich fast schon traditionell dort ein Stelldichein. Jedoch halten auch sich mit der Präsentation ihrer Produkte augenscheinlich zurück. Wenn man noch einen Stand von ihnen findet, ist er merklich geschrumpft. Die Wirtschaftskrise, die in Germany angeblich vorbei sein soll, hinterlässt auch hier ihre sichtbaren Spuren.
Unverdrossen feiert man sich aber selbst weiter, und creiert irgend welche Stars über die kein Mensch – ausgenommen eine Handvoll der üblichen Verdächtigen – jemals reden wird.
Aber Halt, einen vermeintlich neuen Trend haben die Organisatoren der Sexmesse nun doch noch erkannt: “Private” Frauen die seit Jahren ihre “privaten” Bumsvideos auf den Amateurportalen im Internet verkaufen. Nur zu schade, dass es gar nicht so viele männliche Besucher zu geben scheint, die von den “privaten” Damen, von denen sich einige – immer vorausgesetzt ihre Lebenspartner dürfen alles auf Video bannen – zur Vereinbarung von Fickterminen bereit erklären.
Es scheint so, als wäre der Zug für die Veranstalter der Venus längst schon abgefahren. Die wirklich privaten Frauen, Paare und Swinger die einst zuhauf die Messe besuchten, lassen sich schon seit Jahren kaum noch blicken. Ein Ersatz für dieses Klientel sind die “Amateure” die hauptberuflich zu Hause vor den Kameras die Hüllen fallen lassen, mit Sicherheit nicht.
Wie also kann man wenigstens ein paar Frauen anlocken, damit die Spanner-Schar den Eindruck gewinnt, als wäre die Messe ein prickelndes Fest der Freude für alle Geschlechter?
Man richtet eine Ladys Arena ein zu der nur Frauen Zugang haben, um in Ruhe knackige Jungs und große Glieder ansehen zu können. Sicherlich nicht uninteressant für Ladys, die sonst auf der Sexmesse nur (halb-) nacktes Fleisch von Hobby- und Amateur-Huren zu sehen bekommen. Ob die Marketing-Strategie von Erfolg gekrönt war, darf man bezweifeln. Siehe auch hier den recht interessanten Bericht einer Besucherin!
Ob Erfolg oder Misserfolg, ob mehr oder weniger gute Resonanz:
die Veranstalter berichten jedes Jahr über neue Besucher-Rekorde. Wer kann diesen schon nachprüfen?
Zugegeben, ich stelle es mir auch nicht einfach vor, eine Veranstaltung wieder auf Vordermann zu bringen bei der ich einstmals strategische Fehler begangen habe. Gut zu vergleichen mit einer früher sehr gut besuchten In-Kneipe die heute unter eklatantem Gästemangel leidet. Einfach deshalb, weil der Wirt vor lauter Erfolg den wahren Grund seines Erfolgs völlig übersehen hatte. Ob er jemals noch das Rad zurückgedreht bekommen wird?
Ihnen liebe Leserinnen und Leser wünsche ich eine schöne Vorweihnachtszeit mit möglichst wenig Stress. Dafür aber mit viel mehr Spannung und Höhepunkten als sie jemals auf einer Erotikmesse erleben würden.
Ihr Schmuddel-Reporter
Fritz
Schmuddel-Reporters SUPERTIPP!
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Sexmesse Venus 2008 in Berlin. Immer dem Duft hinterher, er führt Sie ins geile Glück!
Noch den tierischen Duft von der Erotikmesse in der Nase, lässt sich am besten beschreiben, wie “geil” die Erotikmesse Venus 2008 am vergangenen Wochenende auf mich gewirkt hat, liebe Leser.
Doch der Reihe nach: Auf dem Vorplatz zu den Messehallen, an deren Planung bestimmt ein Architekt beteiligt gewesen war, der in seinem früheren Leben Kirchen erbaut hat, werde ich durch ein Schild, das von zwei ernst drein blickenden Herren beschützt wird, auf das zu erwartende “Erotik-Programm” eingestimmt: “Hier werden Sie scharf gemacht für den nächsten Ehebruch!”. Meine Miene erhellt sich vor Vorfreude auf das erotische Messe-Angebot, doch beim weiterlesen – siehe Foto! – wird mir ganz anders zumute. Sollte ich vielleicht doch lieber in mein Hotel zurückfahren und mir für 5 Euro bei einem der TV-Pornovideo-Angebote auf meinem Zimmer einen runterjubeln? Ich entscheide mich dafür “der Gefahr” leibhaftig ins Auge bzw. auf die Titten zu sehen, und mache mich auf den Weg zum Haupteingang des bunkergrauen Gebäudes. Vorher stolpere ich aber über eine a la Kelly Family gekleidete Patchwork-Gruppe, die mit Sex den Regenwald für mich retten will. Was wie eine weitere Geschäftsidee an anderer Leute Geldbeutel zu kommen aussieht, erweist sich bei näherem Hinsehen als durchaus interessante und ernstzunehmende
Initiative junger Menschen, die (noch) vom Idealismus getrieben an einer guten Sache zu arbeiten scheinen. Völlig neu sind die Philosophien der Jungs und Mädels, die ohne ihre Lumpen-Kleider um einige Klassen erotischer aussehen wie so manch verwittertes Porno-Model, nicht wirklich. Im Einklang mit Natur und Umwelt das Leben – teilweise auch freizügig die Sexualität – zu geniessen, und seine eigene Nacktheit wie auch die anderer Mitmenschen als völlig natürlich zu betrachten, damit sind schon andere Gruppierungen vor ihnen hausieren gegangen. Neu für mich bei “Fuck for Forest” ist allerdings, dass diese kleine Bewegung für den Regenwald im Gegensatz zu den ausgestorbenen Hippies viele Leute ausserhalb des eigenen Dunstkreises “ansprechen” dürfte. Und zwar alle Voyeure dieser Welt, auch wenn dieselben weniger Interesse am Regenwald, dafür mehr an nackten Körpern der Regenwald-Retterinnen, wie sie sich auf Fotos und Videos auf ihrer Homepage zeigen, haben dürften. Diesen Beitrag weiterlesen »



